200. Geburtstag von Frédéric Chopin - »Der Poet am Klavier«

Die Musikwelt feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag des Komponisten Frédéric Chopin. Er wurde am 1. März 1810 in Zelazowa Wola (Polen) geboren. Sein Name ist eng verbunden mit dem Klavier. Diesem Instrument – fast ohne Ausnahmen – ist Frédéric Chopins kompositorisches Opus gewidmet. Er beherrschte dieses Instrument auf solch virtuose Weise, er entlockte ihm solch wunderbare Klangfarben, Harmonien und Melodien, dass die Nachwelt ihn einen „Poeten am Klavier“ nennt und seine Werke „Dichtungen in Noten“.
Franzose oder Pole?
Immer wieder wird gefragt, ob Chopin nun Franzose oder Pole gewesen sei. Fest steht, dass sein Vater Nicolas Chopin, der um 1770 in Lothringen geboren worden war, mit 17 Jahren nach Polen auswanderte und 1806 Justyna Krsyzanowska heiratete. 1806 heirateten die beiden.
Kurz nach seiner Geburt zog die Familie in die Hauptstadt Warschau. Der kleine Frédéric spielte so traumhaft Klavier, dass sein Klavierlehrer erklärte, als der Junge zwölf war, dass er ihm nichts mehr beibringen könne. Mit 16 Jahren erkrankte Chopin zum ersten Mal ernsthaft an Drüsenschwellungen und schlimmen Kopfschmerzen. Vielleicht zeigte sich hier schon die Lungenerkrankung, an der er so jung sterben sollte. In jüngster Zeit ist allerdings auch die Vermutung aufgekommen, dass nicht Tbc, sondern Mukoviszidose die wahre Ursache für Chopins häufige Lungenentzündungen, Dauerhusten und Untergewicht waren. 1829 reiste er nach Wien, wo er sein erstes öffentliches Konzert außerhalb Warschaus gab. Der Erfolg war so groß, dass eine Woche später ein zweites Konzert folgte. Von Wien ging es weiter nach Prag, dann über Teplitz und Dresden nach Warschau zurück.
Ein Abschied für immer
Seine ersten Auslandserfahrungen zeigten Chopin, dass er in die Welt hinaus musste, und so beschloss er, auf eine dreijährige Konzertreise zu gehen. Am 11. Oktober 1830 gab er in Warschau ein großes Abschiedskonzert, bei dem er sein neues Klavierkonzert Nr. 1 vorstellte. Am 2. November machte sich auf nach Wien. Er sollte seine Heimat nie mehr wiedersehen. In der Donaustadt erfuhr er vom bevorstehenden Aufstand seiner Landsleute in Warschau gegen die Russen. Sein Vater riet ihm dringend, im Ausland zu bleiben. Weitere Stationen in Linz, Salzburg und München folgten. Als Chopin im Dezember 1831 in Stuttgart ankam, erfuhr er von der Niederlage der Warschauer Revolution und brach seelisch zusammen, gequält von schlechtem Gewissen und Heimweh brach er weiter nach Frankreich auf.
Leben in der „schönsten aller Welten“
Chopin erlebte die französische Hauptstadt als „schönste aller Welten“, wie er in einem Brief nach Polen schrieb. Zunächst lebte er mehr schlecht als recht von Konzerteinnahmen. In James de Rothschild fand er einen einflussreichen Förderer. „Tout Paris“ wollte ihn nun hören und bei ihm Klavierunterricht nehmen. Mit den wachsenden Einnahmen gewöhnte Chopin sich einen aufwändigen Lebensstil an, mit privater Kutsche, Bediensteten und Kleidung aus feinsten Stoffen. Befreundet war er mit anderen Künstlern: mit Schriftstellern wie Honoré de Balzac, Malern wie Eugène Delacroix und Musikern wie Franz Liszt. So konnte es nicht ausbleiben, dass ihm die ungewöhnlichste Frau von ganz Paris über den Weg lief: die sechs Jahre ältere George Sand.
Die große Liebe: George Sand
„Was für eine unsympathische Frau sie doch ist! Ist sie denn wirklich eine Frau? Ich möchte es fast bezweifeln.“ So lautete Chopins erste Reaktion, nachdem er die angesehene Schriftstellerin kennen gelernt hatte. Die Hosen tragende, Zigarren rauchende und recht dominante Frau war ihm suspekt. Doch die beiden kamen sich näher, als Chopin wegen seiner geplatzten Verlobung mit Maria Wodzińska Beistand brauchte. In George Sand, eigentlich Aurore Baronin Dudevant, fand er nun eine kluge Trösterin. So entspann sich eine Beziehung, die zehn Jahre dauern sollte. Den Sommer 1838 verbrachte Chopin erstmals auf Sands Landsitz in Nohant. Wegen des milden Klimas und seiner angegriffenen Gesundheit beschloss er, den Winter mit George Sand und ihren Kindern Maurice und Solange auf Mallorca zu verleben. Doch das Wetter war verregnet und kalt und die Einheimischen verhielten sich abweisend gegenüber dem unverheirateten Paar. Allein die Suche eines Klaviers für ihn entpuppte sich als äußerst schwierige Angelegenheit auf der damals vornehmlich von Mandelbauern bewohnten Insel. Chopin wurde wieder lungenkrank. Erst im Frühjahr 1839, zurück in Frankreich, erholte er sich. Ruhigere Jahre sollten folgen.
Ein Komponist mit Selbstzweifeln
Bis 1846 verlief Chopins Leben gleichmäßiger. Doch dann verlobte sich George Sands Tochter Solange mit dem mittellosen Bildhauer Jean-Baptiste Auguste Clésinger, laut Chopin ein „ein brutaler Mensch und ein Trinker ohne Skrupel“. Es kam zu nicht ganz geklärten Familienkonflikten und sogar Handgreiflichkeiten zwischen Clésinger und Maurice sowie George Sand. Trotz seiner Ablehnung Clésingers hielt Chopin jedoch die Freundschaft zu Solange aufrecht. Für George Sand war das inakzeptabel, 1847 trennten sich die beiden.
Chopins Gesundheitszustand verschlechterte sich nun rapide, gleichwohl musste er weiter unterrichten, um Geld zu verdienen. Seine Melancholie wuchs, auch wenn seine Schülerin Jane Stirling versuchte, ihn zu zerstreuen. Es folgte eine Reise nach England, Chopin spielte – sogar vor Königin Viktoria und Prinz Albert Konzerte in Manchester, Glasgow und Edinburgh. Im November 1848 kehrte er hoffnungslos krank nach Paris zurück.
Ein knappes Jahr später, am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin im Alter von 39 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beerdigt. Seine Freunde sammelten für einen Grabstein, den Clésinger gestaltete. Das Herz des Verstorbenen aber brachte man auf dessen Wunsch nach Warschau. Dort ist es in einer Säule in der Heiligkreuzkirche beigesetzt. Auf der Säule steht der Bibelvers Matthäus 6,21: „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“
Bei uns erhältlich „Klassische Kostbarkeiten - Frédéric Chopin“
Wollen Sie noch mehr über das spannende Leben Chopins erfahren? Dann lesen Sie hier weiter …





