Gerhard Matzig, erfolgreicher Architekturjournalist und bekennender Stadtmensch, erhörte nach zehn Jahren hartnäckigen Widerstands den sehnlichsten Wunsch seiner Frau: Er gab die geliebte Altbauwohnung im Münchner Zentrum auf und trat die Suche nach einem „Haus mit Garten“ in einem Vorort an. Es wurde ein Unternehmen mit zahlreichen „Aufs“ und „Abs“ und mündete schließlich im Hausbau, dem „letzten Abenteuer unserer Zeit“. Als Matzig feststellte, das dieses „Abenteuer“ reichlich Stoff für eine bunte und unterhaltsame Geschichte bot, verarbeitete er seine Erfahrungen in einem vergnüglichen Roman: „Meine Frau will einen Garten“.
 
Vieles, was Gerhard Matzig in diesem Roman schildert, hat er tatsächlich in ähnlicher Form selbst erlebt. Lange wollte auch er die Stadt nicht verlassen und glaubte bei der Geburt seiner ersten Tochter Marie im Jahr 1999 unbeirrt, in seinem Leben müsse sich nicht viel ändern. Immerhin sah er ein, dass der Umzug in eine andere Wohnung notwendig war – allerdings immer noch in der Münchner Innenstadt, denn unterbewusst, so gibt Matzig zu, wollte er sich den ungezwungenen Lebensstil seiner Studentenzeit bewahren. Ein Häuschen mit Garten, wie es sich seine Frau wünschte, lehnte er rigoros ab: „Es kam mir vor wie die letzte Entscheidung meines Lebens. Fester Job, eine Frau, für die ich mich entschieden habe, drei Kinder, die mein Lebensinhalt sind – ich war etabliert, erwachsen. Eigentlich konnte ich mich jetzt umbringen.“
Als er 2005 nach der Geburt des dritten Kindes, seines Sohnes Leonard, einsehen musste, dass das Leben für eine Familie mit drei Kindern in der Stadt immer mühsamer wurde, gab er schließlich dem Drängen seiner Frau nach. Trotz intensiver Suche („wir haben bestimmt hundert Häuser angeschaut, eins hässlicher als das andere“) fand die Familie jedoch keine geeignete neue Bleibe.
So blieb nur die Möglichkeit, ein Haus zu bauen, und ganz ehrlich: Was wäre für einen Architekturjournalisten naheliegender, als die eigenen vier Wände selbst mit zu gestalten? „Wenn ich schon ein Haus mit Garten am Stadtrand bewohnen soll, dann wenigstens so, wie ich mir das vorstelle“, stellte Matzig denn auch fest und nennt ein Beispiel: „Wir haben kein Wohnzimmer. In unserer Altbauwohnung hatten wir ein gigantisches Wohnzimmer, in dem nie jemand von uns saß. Jetzt sitzen wir in der Küche. Das ganze Erdgeschoss ist ein großes Wohnen – hier wird gegessen, gekocht, gelesen, Musik gehört, und dort hinten in einem Eckchen steht der Fernseher. Ein Wohnzimmer brauchen wir nicht.“
Wie das Haus in seinem Roman steht auch das Haus von Gerhard Matzig und seiner Familie auf einem winzigen Grundstück und ist schmal, klein und schwarz. Die japanische Architektin Liu Sung-Grau jedoch, die das Haus im Roman plant, ist eine Erfindung; in Wirklichkeit stammte der Entwurf von einem Münchner Architekten. Der Mut, den Matzig aufbrachte, um ein solch ungewöhnliches Projekt anzugehen, hat allerdings wirklich mit Japan zu tun: „Mir kam zugute, dass ich aus der Architektur komme und aus Baugeschichte und zeitgenössischen Architekturbeispielen wusste, wie schmal Räume sein können. Ich dachte, wenn das in Japan geht, dann krieg ich das auch hier hin.“
Mittlerweile hat der Autor sich an das Leben vor den Toren der Stadt gewöhnt. „Ich liebe es inzwischen, unterm Baum zu sitzen und meine Ruhe zu haben.“ Und wenn die Sehnsucht nach München allzu groß wird? „Dann setz ich mich auf die Vespa, fahre in die Stadt, esse ein Eis, und fahre wieder hierher. Das hilft.“
 
 
„Meine Frau will einen Garten“ ist einer von vier spannenden, unterhaltsamen und berührenden Titeln im aktuellen Band unserer Buchreihe „Reader’s Digest Auswahlbücher“.
 
 
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